Archiv für April 2010

Neue Gedichte von Nikita aus dem Knast in St.Mihiel, Frankreich

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Ich schreie. – Sie hören nicht.
Ich fühle. – Sie fühlen nicht.
Ich sehe. – Sie sehen nicht.
Sie wissen. – Ich weiss es nicht.
Sie fürchten. – Ich fürchte nicht.
Sie gehen. – Ich gehe nicht.
Ich denke. – Sie denken nicht.
Sie bleiben. – Ich bleibe nicht.

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Gibt es eine Welt die auf dich wartet,
und nicht still steht,
so wie hier?
Ist der Wandel unaufhaltsam,
wird das Vergessene
gleich durch Neues ersetzt?
Und wenn ersetzt,
dann von was Bessrem,
ist das der Preis für „das Wachstum“?
Ist das Geschehene gleich vergessen,
warum lernen wir überhaupt denn noch
immer was dazu?
Suchen wir Kontinuität und das vergessen,
So wird das Leben uns bald
ersetzen!
Denn die Erde wird sich immer weiter drehen,
denn nur hier scheint sie still zu stehen!

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Mach die Augen auf, und denke

Wohin soll uns das Ganze führen?
Die Katastrophe ist jetzt schon da!
Tag ein,
Tag aus
schauen wir auf ihre großen Münder,
mit den schönen weißen Zähnen drin
Doch warum haben sie nie etwas zu sagen,
wir hören trotzdem immer hin
und hängen an ihren Lippen.
Wohin soll uns das Ganze führen,
wohin geht unsre ganze Zeit?
Die Münder haben viel zu reden
und plappern immer weiter fröhlich vor sich her.
~ Hör nicht hin und denke! ~
Lass dich vom Gedanken tragen,
du bist nicht der Einzige, der sie nicht versteht.

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Worte-Türen-Schlüssel

In den Worten liegt der Schlüssel,
leider nicht für jede Tür.
Manche bleiben fest verschlossen,
doch auch dorthin führt ein Weg.
Ein Wort nach rechts,
ein Wort nach rechts
und immer lächelnd sagen,
es tut mir aufrichtig sehr sehr leid.
So läuft hier jeder von Tür zu Tür,
doch die meisten Türen bleiben zu.
Was will mensch denn jetzt noch machen,
die Türen anschreien bringt ja nichts.
Aber immer lächelnd sagen,
es tut mir aufrichtig sehr sehr leid.

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